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Der Knochen wächst wieder nach
Die besten Zähne taugen nichts, wenn sie sich lockern
und herausfallen. Wird eine Parodontitis nicht erkannt, schrumpfen Zahnfleisch
und Kieferknochen, die Zähne fallen aus. Besonders bei Erwachsenen und
älteren Menschen sind Erkrankungen des Zahnhalteapparates die Hauptursache
für Zahnverlust.
Der Zahnhalteapparat ist ein kompliziertes Gebilde aus festen und weichen Bestandteilen.
Es besteht aus dem Kieferknochen mit abschließender Knochenhaut, den Haltefasern
zwischen Knochen und Zahn, sowie der Zahnwurzel mit ihrer Wurzelhaut, dem Zahnzement
und dem Zahnbein. Die Schicht aus Haltefasern zwischen Zahn und Kieferknochen
sorgt dafür, dass die Zähne in alle Richtungen beweglich sind. Sie
dient als "Stoßdämpfer" für die Zähne und federt
kurze Extrembelastungen ab, beispielsweise das Beißen auf einen Kirschkern.
Zur Mundhöhle hin deckt das Zahnfleisch den Zahnhalteapprat ab.
Die harten und weichen Gewebe des Zahnhalteapparates wachsen ständig nach
und erneuern sich, so wie alle Körperzellen. Dabei regeneriert sich das
weiche Zahnfleisch schneller als der Knochen oder das harte Wurzelzement.
Kommt es zu Zahnfleischentzündungen, sind die krankheitsauslösenden
Bakterien nicht nur auf der Mundschleimhaut tätig. Sie dringen in den Wurzelbereich
der Zähne und infizieren alle Gewebe des Zahnhalteapparates. Je weiter
die Entzündung fortschreitet, desto mehr schrumpfen Zahnfleisch und Kieferknochen.
Bei der herkömmlichen Parodontitis-Behandlung wird die Zahnwurzel mechanisch
gereinigt, alle entzündeten Gewebe entfernt. Da sich Zahnfleisch und Haltefasern
bei der Wundheilung schneller regenerieren als Zement und Knochen, wachsen die
weichen Gewebe bis an die Wurzel und verhindern dadurch das langsame Nachwachsen
harter Gewebe. Dieser Vorgang wird in der medizinischen Fachsprache "Reparation"
genannt. Die Entzündung kann gestoppt werden, jedoch wächst kein neuer
Knochen nach.
Geführte Knochenregeneration
Anfang der 80er Jahre entwickelten skandinavische Wissenschaftler ein Verfahren,
mit dem es möglich wurde, Kieferknochen nachwachsen zu lassen. Nach der
Entfernung des entzündeten Gewebes wird die gereinigte Zahnwurzel mit Knochenersatzmaterial
und einer Membran abgedeckt, um das unerwünschte Weichgewebe von der Zahnwurzel
fernzuhalten. In der abgedeckten Höhle kann ungehindert neuer Knochen entstehen.
"Geführte Knochenregeneration" heißt diese Methode, mit
der sich heute bereits gute Ergebnisse erzielen lassen.
Anwendbar ist dieses Verfahren, um Zähne zu erhalten, deren umliegender
Kieferknochen stark geschrumpft ist und die normalerweise verloren wären.
Die Implantologie ist der zweite große Einsatzbereich für diese Methode.
Es können auch dann Implantate gesetzt werden, wenn nicht mehr genug Kieferknochen
vorhanden ist. Reicht der vorhandene Knochen nur noch aus, um ein Implantat
vier Millimeter tief darin zu versenken, wird die eingesetzte Titanwurzel beispielsweise
in 8 Millimeter Höhe mit Knochenersatzmaterial und einer Membran abgedeckt.
Nach mehreren Monaten hat sich im Idealfall unter der Folie neuer Knochen gebildet,
die künstliche Zahnwurzel steckt dann acht Millimeter tief im Knochen.
Der Knochen wächst bis in die Schraubwindungen des Implantates hinein.
Jetzt ist die künstliche Zahnwurzel stabil genug, um darauf festsitzenden
oder herausnehmbaren Zahnersatz zu befestigen.
Bei der geführten Knochenregeneration handelt es sich um die "Hohe
Schule" der Parodontologie. Das Vefahren ist noch recht jung, nicht jeder
Zahnarzt beherrscht diese Technik. Sie ist jedoch auch nicht für alle
Patienten geeignet. Wer diesen Eingriff möchte, muß hoch motiviert
sein und penibel Zahnpflege betreiben; er sollte nicht rauchen und keine
Krankheit haben,
welche die Durchblutung oder Wundheilung beeinträchtigt. Bis vor drei
Jahren waren mindestens zwei Eingriffe notwendig: Der erste zur Reinigung
der Zahnwurzel
oder zum Setzen des Implantates, dem Einbringen des Knochenersatzmaterials
und dem Legen der Membran, der zweite zum Entfernen der Folie. Die Anwendung
moderner
resorbierbarer Membranen erspart den Zweiteingriff, da eine Entfernung nicht
mehr nötig ist weil sich die Membran von selbst auflöst.